Stabhochsprung-Panne bei EM sorgt für Protest von Leo Neugebauer

Chaos beim Stabhochsprung
Eine Panne beim Stabhochsprung im Zehnkampf der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham hat für erhebliche Probleme gesorgt. Mehrere Athleten, darunter der führende Leo Neugebauer, waren betroffen, nachdem die Latte auf einer der Anlagen nicht korrekt eingestellt war. Anstatt der angezeigten 4,80 Meter lag die Latte tatsächlich bei 4,70 Meter. Dieser Fehler führte dazu, dass die bereits absolvierten gültigen Versuche annulliert wurden und die Athleten die Höhe erneut springen mussten.
Bundestrainer Jörg Roos äußerte sich im ZDF-Livestream kritisch und sprach von einer „absoluten Wettkampfverzerrung“. Die hohen Temperaturen von etwa 35 Grad Celsius in Birmingham machten die zusätzlichen Sprünge für die Zehnkämpfer besonders kräftezehrend. Die siebte Disziplin, der Stabhochsprung, fand zudem in der prallen Mittagssonne statt, was die Belastung für die Sportler nach bereits sechs absolvierten Disziplinen erhöhte.
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Leo Neugebauer, der die vermeintlichen 4,80 Meter bereits übersprungen hatte, musste nach der Korrektur der Lattenhöhe erneut antreten. Ein anfänglicher Protest wurde abgelehnt, doch Neugebauer erhielt die Möglichkeit für einen weiteren Sprung unter Vorbehalt. Diesen Versuch meisterte er erfolgreich und überquerte anschließend sogar 4,90 Meter im ersten Versuch. Bei 5,00 Meter riss er jedoch alle drei Versuche.
Folgen und Reaktionen
Die Situation verschärfte sich für Neugebauer, als er die korrekten 4,80 Meter zunächst zweimal riss. Er verletzte sich dabei leicht an der Wade. Zudem wurde bemerkt, dass bei Neugebauer und dem Franzosen Markenson Gletty angeblich vergessen wurde, die Anlage richtig einzustellen, was die Position der Latte zum Einstichkasten betrifft. Neugebauer riss auch seinen dritten Versuch, was ihm zunächst nur 4,70 Meter einbrachte. Trotz des abgelehnten Protests durfte er einen vierten Versuch absolvieren, den er erfolgreich meisterte.
Jörg Roos betonte die Schwierigkeit der Situation: „So macht man einen Wettkampf ganz schnell kaputt.“ Auch Neugebauer selbst zeigte sich überrascht: „Also, so etwas habe ich noch nie erlebt. Gott sei Dank ist es dann am Ende nochmal gut gegangen, aber das war echt verrückt.“ Er fügte hinzu, dass er ohne die Komplikationen möglicherweise noch höhere Sprünge geschafft hätte, da Kraft verloren ging.
Der frühere Zehnkampf-Weltrekordler Jürgen Hingsen kritisierte die Organisation scharf und bezeichnete sie als „absolute Katastrophe“. Er hob Neugebauers Leistung hervor, die 4,80 Meter nach dem Chaos zu überqueren, als „unglaubliche Leistung“. Niklas Kaul, ein weiterer deutscher Athlet mit Medaillenchancen, war von den Problemen nicht betroffen, da er in einer anderen Gruppe sprang, wo die Höhen korrekt eingestellt waren.
Vor dem Stabhochsprung hatte Neugebauer bereits mit einem starken Diskuswurf überzeugt und einen Meisterschaftsrekord für Zehnkämpfer mit 54,31 Meter aufgestellt. Er führte vor dem Stabhochsprung mit 6301 Punkten deutlich vor dem Niederländer Jeff Tesselaar und dem norwegischen Vize-Europameister Sander Skotheim. Die Entscheidung im Zehnkampf sollte am Abend über 1.500 Meter fallen.


Auswirkungen auf den Wettbewerb
Die fehlerhafte Einstellung der Latte und die daraus resultierenden zusätzlichen Sprünge für einige Athleten, darunter Neugebauer und der junge Deutsche Amadeus Gräber, könnten den Wettbewerb erheblich beeinflusst haben. Die Notwendigkeit, unter extremen Bedingungen mehrmals antreten zu müssen, verbrauchte wertvolle Energie, die in den nachfolgenden Disziplinen fehlen könnte.
Die Jury schien laut Berichten den Überblick verloren zu haben, was zu weiteren Unsicherheiten führte. Trotz der Widrigkeiten gelang es Neugebauer, die geforderten Höhen zu überwinden, auch wenn er dabei eine leichte Wadenverletzung erlitt. Die Disziplin des Stabhochsprungs ist die achte von zehn Disziplinen im Zehnkampf.
Die Vorfälle in Birmingham werfen Fragen zur Organisation der Leichtathletik-Europameisterschaften auf. Die Entscheidung über die Medaillen im Zehnkampf wird am Abend mit dem 1.500-Meter-Lauf abgeschlossen.


Source: bild.de