München: Jamal Musialas Zusammenbrüche werfen Fragen auf

Erkrankung des Bayern-Profis: Was steckt hinter Musialas Zusammenbrüchen? - tagesschau.de

Musialas Zustand und die Reaktionen

Der Bayern-Spieler Jamal Musiala ist innerhalb weniger Tage zweimal auf dem Spielfeld zusammengebrochen. Nach diesen Vorfällen, die sich in Testspielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim ereigneten, musste der 23-jährige Stürmer medizinisch versorgt werden und verließ den Platz in Begleitung. Musiala selbst äußerte sich später auf Instagram zu seiner Situation und sprach von einer gut behandelbaren neurologischen Dysfunktion.

Die Vorfälle haben auch seine Mitspieler betroffen gemacht. Harry Kane, der am Mittwoch mit dem „Goldenen Schuh“ ausgezeichnet wurde, betonte seine volle Unterstützung für Musiala. Kane erklärte, es sei wichtig, Musiala Raum zu geben und seine Art des Umgangs mit der Situation zu respektieren. Er wies darauf hin, dass Musiala seit seiner Verletzung im letzten Jahr hart gearbeitet habe, um wieder auf höchstem Niveau zu spielen, und dass er hinter den Kulissen viel Einsatz gezeigt habe.

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Auch Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen äußerte sich zur Verfassung Musialas. Er sei überrascht gewesen, wie gefasst Musiala mit der Situation umgehe und ihn nicht am Boden zerstört wahrnehme. Musiala gehe sehr klar mit seiner Erkrankung um.

Jamal Musiala verlässt den Platz in Begleitung.
Jamal Musiala verlässt den Platz in Begleitung. Credit: tagesschau.de

Erklärung der neurologischen Dysfunktion

Die von Musiala erwähnte neurologische Dysfunktion wird als Absencen beschrieben, eine Form epileptischer Anfälle. Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums der Uniklinik Freiburg, erläutert, dass bei Absencen hauptsächlich das Bewusstsein kurzzeitig gestört ist, während andere Symptome gering sind. Äußerlich kann dies dazu führen, dass der Muskeltonus sinkt und die betroffene Person zusammensackt, wie es auch bei Musiala beobachtet wurde.

Im Gehirn läuft bei einem solchen Anfall eine unnormale Entladung der Nervenzellen ab. Normalerweise arbeiten Milliarden von Nervenzellen unabhängig voneinander, um sensorische Informationen zu verarbeiten oder die Motorik zu steuern. Bei einer epileptischen Entladung entladen sich diese Nervenzellen jedoch nicht einzeln, sondern in einem unnatürlichen Rhythmus gemeinsam. Dies kann zu einer vorübergehenden Trübung oder einem Verlust des Bewusstseins führen.

Professor Dr. med. Christoph Kleinschnitz, Neurologe und Direktor der Klinik der Neurologie am Universitätsklinikum Essen, bestätigt, dass eine Absenceepilepsie eine mögliche Ursache für die Zusammenbrüche sein könnte, basierend auf den Videos und Musialas Statement. Absencen sind dabei die epileptischen Anfälle, die bei dieser Form der Epilepsie auftreten. Symptome können sein, dass Betroffene plötzlich innehalten, starr blicken und verwirrt sind, ohne vollständig bewusstlos zu sein. Solche Absencen dauern oft nur wenige Sekunden oder Minuten, und die Betroffenen sind danach schnell wieder reorientiert.

Behandlungsmöglichkeiten und Auswirkungen auf den Sport

Die Behandlung von Absencen ist in vielen Fällen erfolgreich. Laut Schulze-Bonhage können bei etwa 85 Prozent der Patienten durch Medikamente vollständige Anfallsfreiheit über viele Jahre erreicht werden. Wenn eine vollständige Anfallsfreiheit nicht möglich ist, können die Anfälle meist so reduziert werden, dass sie nur noch sehr selten auftreten. Die häufigsten Manifestationen treten im frühen Kindesalter und im hohen Lebensalter auf, können aber in jedem Lebensalter vorkommen. Es sei möglich, dass Musiala bereits früher eine solche Epilepsie hatte, die gut behandelt wurde und nun möglicherweise eine Anpassung der Behandlung erfordert.

Schulze-Bonhage betont, dass zwischen den Anfällen die Hirnfunktion und alles andere völlig normal sei. Dies bedeute, dass man seinem Beruf normal nachgehen könne, auch als Sportler. Er verweist auf Ronaldo als ein bekanntes Beispiel unter Spitzensportlern, der ebenfalls mit Epilepsie zu tun hatte und dennoch ein großer Star wurde. Dies zeige, dass Epilepsie kein Tabu mehr sei und auch im Profifußball gut behandelbar ist.

Nach Informationen leidet Musiala bereits seit einigen Monaten unter dem Syndrom, auch während der WM, und seine Mitspieler waren darüber informiert. Die Situation wird von seinem Umfeld mit Respekt und Unterstützung begleitet, in der Hoffnung, dass sich die Lage mit der Zeit verbessert.

Bayerns Jamal Musiala (l.) bricht erneut zusammen
Bayerns Jamal Musiala (l.) bricht erneut zusammen Credit: sportschau.de

Musiala spielt seit 2020 bei Bayern und ist ein Stammspieler in der Nationalmannschaft.

Source: tagesschau.de

Leon Richter ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.